Horizon Europe Cluster 6 – Lebensmittel, Bioökonomie, natürliche Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt – ist eine zentrale Säule des Rahmenprogramms Horizon Europe und eines der politisch am stärksten gesteuerten Cluster. Es unterstützt unmittelbar die Umsetzung des Europäischen Grünen Deals, der Farm-to-Fork-Strategie, der EU-Biodiversitätsstrategie, klimapolitischer Maßnahmen, der Ziele der Kreislaufwirtschaft sowie die langfristige Resilienz von Ernährungs- und Ressourcensystemen in Europa.
Auf Grundlage der offiziellen Cluster-6-Info-Days der Europäischen Kommission fasst dieser Artikel die zentralen strategischen, bewertungsbezogenen und umsetzungsrelevanten Leitlinien für Antragstellende zusammen. Er dient als allgemeine Referenz für Koordinatoren, Konsortialpartner, Forschungseinrichtungen, KMU, öffentliche Stellen und Innovationsakteure, die Anträge im Rahmen von Cluster-6-Ausschreibungen vorbereiten.
1. Die strategische Rolle von Cluster 6 in Horizon Europe
Cluster 6 adressiert gesellschaftliche Herausforderungen im Zusammenhang mit Ernährungssystemen, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei, biobasierten Industrien, Biodiversitätsschutz, Klimaanpassung und ökologischer Nachhaltigkeit. Im Gegensatz zu primär technologiegetriebenen Clustern wird von Cluster-6-Anträgen eine starke politische Relevanz, aktive Stakeholder-Einbindung und hohe Praxisnähe erwartet.
Geförderte Projekte dienen als Instrumente zur Umsetzung europäischer Politiken. Anträge müssen daher klar darlegen, wie Forschungs- und Innovationsaktivitäten zu EU-Strategien, regulatorischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen beitragen.

2. Bewertungslogik in Cluster 6 verstehen
Anträge in Cluster 6 werden anhand der drei Hauptkriterien Exzellenz, Wirkung und Qualität und Effizienz der Umsetzung bewertet. Diese Kriterien werden nicht isoliert betrachtet. Gutachter erwarten eine kohärente Gesamtlogik, die Ziele, Methoden, Ergebnisse, Wirkungen und Ressourcen miteinander verknüpft.
Eine zentrale Botschaft der Info Days ist die starke Ergebnisorientierung erfolgreicher Anträge. Neben wissenschaftlicher oder technischer Qualität müssen Antragstellende darlegen, wie Projektergebnisse in konkrete Nutzen für Politik, Praxis, Märkte oder Gesellschaft überführt werden.

3. Exzellenz: Über den Stand der Technik hinaus
Im Kriterium Exzellenz bewerten Gutachter die Klarheit und Relevanz der Ziele, die Glaubwürdigkeit der Methodik sowie den Beitrag über den aktuellen Stand der Technik hinaus.
In Cluster 6 umfasst Exzellenz nicht nur wissenschaftliche Innovation. Sie schließt interdisziplinäre Ansätze, die Integration der Sozial- und Geisteswissenschaften (wo relevant) sowie die angemessene Berücksichtigung ökologischer, sozialer und ökonomischer Dimensionen ein.
Zu allgemein formulierte Ziele oder eine unzureichende Abgrenzung zu bestehenden Projekten zählen zu den häufigsten Schwächen.
4. Wirkung: Von Ergebnissen zu Politik und Praxis
Die Wirkung ist ein zentrales Element von Cluster-6-Anträgen. Antragstellende müssen klare Pfade zu den im Arbeitsprogramm definierten erwarteten Ergebnissen und Wirkungen darstellen.
Dazu gehören:
– Identifikation relevanter Zielgruppen und Endnutzer
– Quantifizierung erwarteter Wirkungen, wo möglich
– Ausrichtung an EU-Politiken und -Strategien
– Klare Abgrenzung zwischen Kommunikations-, Disseminations- und Verwertungsaktivitäten
Gutachter bemängeln häufig Wirkungsabschnitte, die zu abstrakt oder beschreibend bleiben. Konkrete Maßnahmen, Indikatoren und Zuständigkeiten sind erforderlich.

5. Kommunikation, Dissemination und Verwertung
Die Info Days haben die Notwendigkeit betont, klar zwischen folgenden Aktivitäten zu unterscheiden:
– Kommunikation: Sensibilisierung für das Projekt und seine Relevanz
– Dissemination: Verbreitung von Ergebnissen an relevante Stakeholder
– Verwertung: Nutzung von Ergebnissen für Politikgestaltung, Standardisierung, Markteinführung oder Weiterentwicklung
Diese Aktivitäten müssen von Beginn an geplant, angemessen budgetiert und zielgruppenspezifisch ausgestaltet werden. Ihre Zusammenfassung in einem generischen Arbeitspaket führt häufig zu Punktabzügen.

6. Konsortialgestaltung und Multi-Actor-Ansatz
Viele Cluster-6-Themen verlangen einen Multi-Actor-Ansatz. Dies bedeutet die aktive Einbindung von Praktikern, politischen Entscheidungsträgern, Industrie, Zivilgesellschaft oder Endnutzern über den gesamten Projektverlauf hinweg.
Erfolgreiche Konsortien:
– Decken alle erforderlichen Kompetenzen ab
– Binden Stakeholder frühzeitig und kontinuierlich ein
– Definieren Rollen und Verantwortlichkeiten klar
– Weisen operative Kapazitäten und Engagement nach
Alle Partner sollten in die Antragserstellung eingebunden sein und die Projektziele sowie den Arbeitsplan vollständig verstehen.
7. Umsetzung: Arbeitspläne, Arbeitspakete und Ressourcen
Im Kriterium Umsetzung bewerten Gutachter die Qualität und Kohärenz des Arbeitsplans, einschließlich Arbeitspaketen, Aufgaben, Deliverables, Meilensteinen und Ressourcenzuweisung.
Zentrale Erwartungen sind:
– Logische Struktur der Arbeitspakete in Übereinstimmung mit den Zielen
– Klare Aufgabenbeschreibungen und Zuständigkeiten
– Realistische Zeitpläne und Risikomanagement
– Konsistenz zwischen Aufgaben und zugewiesenen Ressourcen
Mangelnde interne Kohärenz oder die Unterschätzung horizontaler Aufgaben wie Projektmanagement, Datenmanagement, Ethik, Kommunikation und Dissemination werden regelmäßig negativ bewertet.
8. Einsatz generativer KI-Tools in der Antragserstellung
Die Europäische Kommission bestätigte, dass generative KI-Tools zur Unterstützung der Antragserstellung genutzt werden dürfen. Die vollständige Verantwortung für den Inhalt verbleibt jedoch bei den Antragstellenden.
KI-generierte Inhalte müssen sorgfältig geprüft werden, um sachliche Fehler, Inkonsistenzen, Plagiate oder Fragen des geistigen Eigentums zu vermeiden. Transparenz und die Einhaltung ethischer Standards sind unerlässlich.
9. Häufige Schwächen aus Sicht der Gutachter
Basierend auf Rückmeldungen aus den Info Days wurden folgende Schwächen häufig identifiziert:
– Unzureichende Ausrichtung am Topic-Text und den erwarteten Ergebnissen
– Schwache oder nicht überzeugende Wirkungspfade
– Fehlende Abgrenzung zu bestehenden Projekten
– Unzureichend strukturierte Arbeitspakete
– Mangelhafte Behandlung von Dissemination, Verwertung und Kommunikation
– Unzureichende Berücksichtigung von Ethik und Datenmanagement
Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit diesen Punkten verbessert die Qualität von Anträgen erheblich.
10. Strategische Implikationen für Antragstellende in Cluster 6
Cluster-6-Anträge erfordern eine ausgewogene Kombination aus wissenschaftlicher Qualität, politischer Relevanz, Stakeholder-Einbindung und Umsetzungsfähigkeit. Wiederverwendete oder stark standardisierte Anträge sind selten erfolgreich.
Erfolgreiche Antragstellende investieren in frühe Vorbereitung, Konsortialabstimmung und eine gutachterorientierte Antragslogik.
Wie Nexuswelt Cluster-6-Anträge unterstützt
Nexuswelt unterstützt Organisationen über den gesamten Lebenszyklus von Horizon-Europe-Cluster-6-Anträgen hinweg, unter anderem durch:
– Analyse von Ausschreibungen und Topics
– Strukturierung von Anträgen entlang der Bewertungslogik
– Konsortialaufbau und Partnerpositionierung
– Wirkungspfade, Dissemination, Kommunikation und Verwertungsstrategien
– Kohärenzprüfungen von Arbeitsplan und Umsetzung
– Gutachterorientierte Antragsreviews
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Agriculture and Food Systems Innovation
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